Auch Häuser wachsen nicht in den Himmel

Die Statistiken zu den Immobilienpreisen und den Mietkosten im privaten Bereich kannten in den letzten Jahren nur eine Richtung: nach oben. In den deutschen Städten insgesamt ließ der Preisauftrieb bei Wohnimmobilien nicht nach: Laut Berechnungen der Bundesbank auf Basis von Angaben der bulwiengesa AG stiegen 2017 die Preise für Wohneigentum dort nach wie vor kräftig um rund 9 Prozent. Der Preisauftrieb war damit noch etwas stärker als in den drei vorausgehenden Jahren, in denen sich die Preise um durchschnittlich 7,5 Prozent erhöht hatten. In den Großstädten ging die Preisdynamik im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 1,75 Prozentpunkte auf 9,25 Prozent zurück. Dennoch lag die Rate damit über dem Durchschnitt der drei vorherigen Jahre, schreibt der Monatsbericht der Bundesbank.

Die Bundesbank aber gießt nun ein wenig Wasser in den Wein der Hoffnung auf immerwährendes Wachstum. In deutschen Städten sind Eigentumswohnungen und Häuser aus der Sicht der Bundesbank deutlich zu teuer. "In den Städten liegen die Preise von Wohneigentum weiterhin deutlich über dem Niveau, das durch die längerfristigen wirtschaftlichen und demografischen Einflussfaktoren gerechtfertigt erscheint", schreiben die Expertinnen und Experten der Bundesbank im jüngsten Monatsbericht. Diese Preisübertreibungen lagen nach ihren Schätzungen im Jahr 2017 zwischen 15 und 30 Prozent. Noch stärker überteuert seien Wohnimmobilien in Großstädten, zu denen Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt am Main, Köln, München und Stuttgart zählen. Dort dürften die Preisabweichungen nochmals zugenommen haben und mittlerweile bei 35 Prozent liegen, heißt es im Monatsbericht.

Immobilienwirtschaft und Bundesbank einig

Und die Bundesbank steht damit nicht alleine. Der Zentrale Immobilien Ausschuss e. V. (ZIA), der Spitzenverband und die ordnungs- und wirtschaftspolitische Interessenvertretung der gesamten Immobilienwirtschaft mit Sitz in Berlin, übergab das diesjährige Frühjahrsgutachten an das Bundesbauministerium. Die „Immobilienweisen“ sprechen sogar davon, dass nun „die Party endgültig vorbei“ sei.

Der nunmehr seit acht Jahren andauernde Preisanstieg dürfte sich nämlich, nach Meinung des ZIA, bald beruhigen, wobei erhebliche regionale Unterschiede zu beachten sind, wie die Zahlen für die Entwicklung in den Großstädten zeigen – Ähnliches gilt für die Miete.

Was sind die Gründe für diese Prognose? Die Nachfrage nach Wohnungen wächst derzeit deutlich langsamer als noch vor kurzem, da die Zuwanderung aus dem Ausland (Flüchtlinge, EU-Ausländer) stark zurückgegangen ist. Gleichzeitig steigt das Angebot an Wohnungen stärker als bislang. 2017 dürften über 300.000 neue Wohnungen fertiggestellt worden sein und 2018 dürften es nochmals mehr werden. Damit aber nähert sich der Wohnungsmarkt endlich einer gleichgewichtigen Entwicklung, sodass der Druck auf die Mieten geringer wird. Da zudem ein weiteres Sinken der Zinsen ausgeschlossen sein dürfte, fällt auch auf dem Kaufmarkt die preistreibende Wirkung weg, meint der ZIA in seiner Darstellung. Und langfristig wird auch die Demografie – wie in allen wirtschaftlichen Zusammenhängen – eine Rolle spielen: Deutschlands Einwohnerzahl sinkt.

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