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Große Firmeninsolvenzen
Große Firmeninsolvenzen
Creditreform Unternehmermagazin
Neuss, 12.01.2012
2011 ging der Insolvenztrend in Richtung kleine Firmen. Dennoch finden sich unter den Insolvenzkandidaten wieder einige große und namhafte Unternehmen mit überregionaler Bedeutung. Im Vergleich mit dem Vorjahr hat sich die Zahl der bedrohten Arbeitsplätze in den zehn größten Unternehmensinsolvenzen des Jahres auf 15.540 Betroffene erhöht (Vorjahr: 12.130).
Die mit Abstand größte Insolvenz des Jahres betraf den Druckmaschinenbauer Manroland, dem Ende November das Geld ausging. Das drittgrößte Unternehmen der Branche mit Sitz in Augsburg litt unter der Billigkonkurrenz aus Asien und dem Trend zu elektronischen Dokumenten im Internet. Nach dem Verkauf des Unternehmens an einen Finanzinvestor 2006 ging der Umsatz massiv zurück. Die Suche nach weiteren Investoren und Partner blieb erfolglos. 6.500 Beschäftigte bangen nun um ihren Job.
Große Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2011 ("Top Ten")
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Unternehmen |
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Geschäftszweck |
Mitarbeiter |
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Manroland |
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Maschinenbauer |
6.500 |
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Sellner GmbH |
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Automobilzulieferer |
1.600 |
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Schlott Gruppe |
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Druckerei |
1.480 |
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Sondermann Brot GmbH & Co. KG |
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Lebensmittel |
1.120 |
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AKT Altmärker Kunststoff-Technik GmbH |
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Automobilzulieferer |
1.000 |
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Albert Ziegler GmbH & Co. KG |
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Feuerwehrtechnik |
1.000 |
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Manss Fruchtimport KG Unternehmensgruppe |
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Lebensmittelhandel |
890 |
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YMOS Gruppe |
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Automobilzulieferer |
690 |
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Gold Meister GmbH |
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Schmuckhandel |
660 |
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TelDaFax |
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Energieanbieter |
600 |
Quelle: Creditreform Datenbank
Mit den Unternehmen Sellner, AKT und YMOS finden sich drei Automobilzulieferer in der Gruppe der größten Insolvenzen des Jahres. Die Sellner Gruppe, in der bundesweit 1.600 Mitarbeiter tätig sind, musste bereits im Januar 2011 einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. Der Hersteller von hochwertigen Oberflächen für das Fahrzeuginterieur gehört seit 2005 mehrheitlich einem Finanzinvestor. Für die Pleite verantwortlich werden operative Mängel wie die hohen Ausschussquoten sowie Fehlkalkulationen bei großen Aufträgen gemacht. Zu den Kunden zählten BMW, Daimler, Volkswagen, Audi und Porsche. Ein Sanierungskonzept sei bereits ausgearbeitet, der bisherige Eigentümer und die Gläubigerbanken konnten sich aber nicht auf weitere Liquiditätshilfen einigen. Große Teile der Unternehmensgruppe sind mittlerweile an einen chinesischen Automotive-Konzern verkauft worden.
Für die Altmärker Kunststoff-Technik GmbH (AKT) aus Gardelegen in Sachsen-Anhalt, einer der führenden Kunststoffspritzgusshersteller für hochwertiges Automobilinterieur, kam ebenfalls im Januar 2011 das Aus. Mit rund 1.000 Mitarbeitern ist das Unternehmen der größte einzelne Arbeitgeber der strukturschwachen Region. Damit forderte die Krise in der Automobilindustrie von 2008/2009 verspätet ein weiteres Opfer. Verluste wurden zuletzt angehäuft, weil erhebliche Lieferrückstände entstanden. Mit einem Insolvenzplan und erfahrenen Sanierungsexperten sollte das Unternehmen binnen kürzester Zeit wieder handlungsfähig sein. Mittlerweile ist das Hauptwerk an Boryszew, ein großes polnisches Industrieunternehmen, verkauft worden.
Bei der YMOS Firmengruppe, die bereits zwischen 2000 bis 2002 unter Insolvenzverwaltung stand, sind rund 690 Arbeitnehmer von der Insolvenz betroffen. Das Unternehmen litt unter dem Preisdruck der Autohersteller und den Folgen der Wirtschaftskrise. Letztlich scheiterten die Gespräche mit den Banken, wodurch das Unternehmen in einen Liquiditätsengpass geriet. Der Automobilzulieferer befindet sich derzeit ebenfalls auf dem Einkaufszettel der polnischen Firma Boryszew.
Groß war der Schock für die rund 1.480 Beschäftigten, als der Tiefdruck-Dienstleister Schlott Gruppe für alle elf deutschen Konzernteile beim Nürnberger Amtsgericht einen Insolvenzantrag stellen musste. Als Insolvenzverwalter wurde der Nürnberger Rechtsanwalt Siegfried Beck berufen. "Jeder Investor, der ein vernünftiges Angebot vorlegt, ist willkommen" hieß es von Seiten des Insolvenzverwalters. Einige Bestandteile des Unternehmens sind mittlerweile verkauft und die Arbeitsplätze damit gesichert. Andere Standorte wie der Hauptsitz im Schwarzwald mussten geschlossen werden.
Sondermann Brot GmbH & Co. KG, eine Großbäckerei mit über 1.100 Mitarbeitern, musste ebenfalls 2011 den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Neben den stark gestiegenen Preisen für Energie und Mehl brachten die höher als geplant ausgefallenen Baukosten für eine Backstube das Fass zum Überlaufen. Die Geschäftsleitung hat sich entschlossen, frühzeitig Insolvenz anzumelden, um die Sanierungschancen zu erhöhen. Nun gehe es darum, ein Sanierungskonzept und einen Insolvenzplan zu erarbeiten. Das Unternehmen, das 1949 als Familienbetrieb entstand, unterhält 130 Filialen.
Im November 2011 wurde das Insolvenzverfahren über die Albert Ziegler GmbH & Co. KG beim Amtsgericht Aalen eröffnet. Als Insolvenzverwalter ist Dr. Bruno Kübler bestellt. Jetzt müssen alle Gläubiger ihre Insolvenzforderungen anmelden. Der Geschäftsbetrieb der gesamten Ziegler Gruppe mit rund 1.000 Mitarbeitern laufe vorerst weiter. Gut seien die Chancen auf eine erfolgreiche Sanierung des Feuerwehrtechnik-Ausrüsters, so Dr. Kübler.
In die Insolvenz rutschte 2011 auch die Manss Fruchtimport KG aus Hamm in Westfalen. Die Dortmunder Rechtsanwaltskanzlei Andres Schneider ist mit der Insolvenzverwaltung beauftragt. Nun soll ein Restrukturierungs- und Sanierungsplan ausgearbeitet werden, um die Fortführung des mehr als 100 Jahre alten Unternehmens mit knapp 900 Beschäftigten zu sichern. Zuvor waren die Verhandlungen der Geschäftsführung mit Kreditversicherern gescheitert, so dass die Insolvenz als einziger Ausweg gesehen wurde. Hauptgründe für die Schieflage seien die "ungesunde" Übernahme von Unternehmen und die Auslagerung von lukrativen Geschäftsfeldern gewesen. Das Unternehmen beliefert die Gastronomie sowie Cash-und-Carry-Märkte und Bäckereien. Nun ist es wichtig, das Vertrauen der Kunden zu erhalten.
Die Schmuckhandelskette Gold Meister GmbH aus Hanau hat kurz vor Ostern 2011 Insolvenz angemeldet. Betroffen sind rund 660 Beschäftigte. Deutschlandweit betreibt das Unternehmen 130 Verkaufsläden, vornehmlich in Einkaufszentren und Warenhäusern. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner führt den Geschäftsbetrieb bei der ehemals zweitgrößten deutschen Schmuckkette nach dem Insolvenzantrag zunächst fort. Gespräche über ein mögliches Sanierungskonzept und neue Investoren für einen Erhalt des 1987 entstandenen Unternehmens führten aber nicht zum Erfolg. Ein Großteil der Filialen ist mittlerweile geschlossen.
Im September wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Energiediscounters TelDaFax aus Troisdorf bei Bonn eröffnet. Rund 750.000 Gläubiger, ein Großteil von ihnen Kunden mit im Voraus bezahlten Rechnungen, warten nun auf ihr Geld. Strom- und Gaslieferungen sind inzwischen eingestellt. TelDaFax, jahrelang Trikotsponsor beim Fußballbundesligisten Bayer Leverkusen, sitzt auf einem riesigen Schuldenberg und fuhr seit einiger Zeit eine zweifelhafte Geschäftspraxis, indem Energie unter Einkaufspreisen verkauft wurde. Der Rechtsanwalt Bähr sieht derzeit wenig Hoffnung für ein schnelles Ende des Verfahrens. Gemessen an der Gläubigerzahl betreut der Insolvenzverwalter das größte Verfahren in der deutschen Geschichte.
Im November ging auch der bekannte Baukonzern Heitkamp in die Insolvenz. Bislang ist lediglich die Holding betroffen – alle operativen Gesellschaften seien nicht tangiert. Heitkamp baute u. a. die gläserne VW-Manufaktur in Dresden und den Euro-Tunnel unter dem Ärmelkanal.
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