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Kreditmanagement
Unterschätzte Gefahr
Unterschätzte Gefahr
Die Auswirkungen der Finanzkrise werden von vielen kleineren Unternehmen noch immer nicht in vollem Umfang zur Kenntnis genommen.
Auf seine Hausbank, eine größere Kreditgenossenschaft, lässt Unternehmer Gerhard A. nichts kommen. Seit mehr als 15 Jahren hält er dieser lokalen Volksbank die Treue, da sie ihm einst, in der Eröffnungsphase seines Handwerkbetriebes, komplikationslos Darlehen zur Verfügung stellte, von denen andere Banken nichts wissen wollten. Und diese hatten Unrecht:
Mittlerweile hat sich der Betrieb weit überdurchschnittlich entwickelt, aus ehemals vier Mitarbeitern wurden knapp zwanzig, die vor allem auf Grund ihrer "Kundenorientierung und zuverlässigen Arbeit", wie A. gern für sein Unternehmen wirbt, dafür sorgten, dass während der vergangenen Jahre sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag erheblich zugelegt werden konnte.
Finanzkrise totgeschwiegen?
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass A. längst zu den bevorzugten Kunden seines Bankgeschäftspartners gehört. Dies hat unter anderem zur Folge, dass er regelmäßig eingeladen wird, wenn das Kreditinstitut Veranstaltungen ausrichtet, die sich meist um Wirtschaftsthemen drehen und die A. eigentlich stets als angenehme Abende in Erinnerung behielt.
Umso überraschter war er, als er während der letzten Veranstaltung vor einigen Wochen vergeblich auf eine bankseitige Aussage zur mittlerweile weltweiten Finanzkrise wartete. Seine Verwunderung war umso größer, da die Veranstaltung unter das Motto "Finanzkrise als Chance für den Mittelstand" gestellt war. Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank sprach als Hauptredner des Abends während seines Vortrags nicht ein einziges Mal über die Auslöser der Krise, sondern vor allem über allgemeine Prognosen zur Zinsentwicklung sowie über Erwartungen an angebliche Zukunftsmärkte. Auch in den Einzelgesprächen im Anschluss an den Vortrag wurde die Verantwortung für die derzeitige Situation immer nur dann thematisiert, wenn A. hartnäckig darauf bestand.
Während der Nacharbeit zu dieser Veranstaltung erinnerte sich A. an ein ausführliches Gespräch mit seinem Steuerberater, der ihm kürzlich seine Sicht auf die Finanzkrise darlegte. Er sprach den Banken ein "hohes Maß an Mitverantwortung" zu – und befürchtete negative Auswirkungen auf das Kundenvertrauen, "selbst bei denjenigen Banken, die ihr Kreditgeschäft bisher verantwortungsbewusst betrieben haben und nach wie vor betreiben".
Darüber hinaus berät der Experte einige Mandanten, die während des vergangenen halben Jahres mehrere Zinserhöhungen bei Geschäftskrediten mit dem lapidaren Hinweis hinnehmen mussten, die jeweilige Bank folge damit lediglich den "allgemeinen Zinserhöhungen an den Geldmärkten". Ebenfalls erhielt der Steuerberater Hinweise auf bankseitig strengere Auflagen an seine Mandanten bei der Bewilligung neuer Kredite. Auch hier wurde – genau wie bei der erwähnten Kundenveranstaltung – die Finanzkrise mit keinem Satz als eventueller Grund dieser Maßnahmen genannt.
Misstrauen wächst
Alles Faktoren also, die A.’s bisherige Gelassenheit bezüglich der Finanzkrise allmählich durch Misstrauen ersetzen. Dies, so fühlt er, ist er nicht nur seinem Ruf als Unternehmer, sondern auch seiner Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern schuldig. Sollte nämlich auch er mit höheren Zinsen und vor allem mit Schwierigkeiten bei kurzfristig erforderlichen Kreditverlängerungen rechnen müssen, könnte sein Betrieb ernsthafte Liquiditätsprobleme bekommen. A. hat sich daher entschlossen, kurzfristig ein Gespräch mit dem für ihn zuständigen Bankmitarbeiter zu führen, um die finanziellen Weichen rechtzeitig zu stellen.
Diese Entscheidung ist zweifellos richtig, da die Bankenkrise mittlerweile auch im Mittelstand anzukommen scheint:
Betriebsinhaber müssen immer häufiger zur Kenntnis nehmen, dass Kredite restriktiver vergeben werden – eine Entwicklung, die manchem Unternehmen zu schaffen machen dürfte. Dieses Kreditverhalten gilt offenbar vor allem für Bankinstitute, die auf Grund der Finanzprobleme mit teilweise erheblichen Ertragsrückgängen rechnen müssen. Banken, die mit dieser Problematik dagegen nicht oder nur gering belastet sind, scheinen sich eher an den Grundsätzen ihrer bisherigen Kreditvergabepolitik zu orientieren.
Hier ist meist weder von außergewöhnlichen Kreditzinserhöhungen noch von durch zusätzliche Auflagen erschwerten Neukrediten oder Kreditverlängerungen die Rede. Es bleibt daher abzuwarten, ob sich diese Wahrnehmungen während der kommenden Monate bestätigen oder ob es sich lediglich um Einzelfälle handelt, die allerdings je nach Unternehmen bereits heute zu Irritationen führen.
Check-Liste: Bösen Überraschungen vorbeugen
- Betriebsinhaber sollten keineswegs darauf warten, ob oder in welchem Umfang sich die Folgen der Finanzkrise auf ihre Kreditkonditionen auswirken. Als wichtige Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bank und Kunde ist es vielmehr wichtig, kurzfristig zu reagieren und mit der jeweiligen Bank zu reden.
- Wichtiges Ziel eines solchen Gesprächs sollte die Bewilligung bevorstehender Kreditverlängerungen ebenso sein wie die Absicherung von Kreditzinssätzen.
- Zu diesem Beratungsgespräch gehört unter anderem die Darstellung von "Zinscaps" oder "Zinsswaps", mit deren Hilfe sich Zinssätze wie erwähnt absichern lassen.
- Sinnvoll ist auch, herauszufinden, wie der jeweilige Bankpartner zu möglichen Änderungen innerhalb seiner zukünftigen Kreditvergaberichtlinien steht. Hier sollte zwischen Bank und Kunde, wie bisher ohnehin meist üblich, eine wechselseitige Offenheit als wichtiger Grundsatz gepflegt werden.
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aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt", Autor:
Michael Vetter
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