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Über den Handel mit Problemkrediten

Creditreform positioniert sich als kompetenter Partner im Forderungskauf

Der Handel mit notleidenden Forderungen („Non Performing Loans“) ist nicht erst durch den spektakulären Verkauf eines Kreditportfolios im Nominalwert von 3,6 Milliarden Euro der Hypo Real Estate an den amerikanischen Investor Lone Star verstärkt in das öffentliche Interesse gerückt. Bereits seit einem Jahr häufen sich Berichterstattungen über den Verkauf fauler Kredite deutscher Unternehmen in den Medien. Einige große öffentliche Transaktionen – wie beispielsweise die Veräußerung der Problemkredite der Dresdner Bank ebenfalls an Lone Star, aber auch Verkäufe von eher regionaler Bedeutung, wie der der Niederschlesischen Stadtsparkasse Görlitz – haben ein breites Echo gefunden. Doch die öffentlich gewordenen Portfolioverkäufe sind nur die Spitze des Eisberges. Schätzungen zufolgen werden in 2005 Transaktionen in einem Nominalvolumen von mindestens 15 Milliarden Euro vorgenommen werden; einzelne Marktbeobachter erwarten gar Transaktionsvolumina von bis zu 40 Milliarden Euro. In Anbetracht der Tatsache, dass die deutschen Kreditinstitute Problemengagements in einer Größenordnung von rund 300 Milliarden Euro in ihren Büchern führen, ist dies keine unrealistisch erscheinende Größenordnung.

International ist der Handel mit Non Performing Loans schon seit langem ein beliebter Transaktionstypus. Insbesondere in den USA, in Großbritannien, Italien, Frankreich und den asiatischen Ländern bereinigen vornehmlich Kreditinstitute ihre Bilanz, indem sie sich von „schlechten“ Krediten trennen und somit ihre Risikoaktiva reduzieren. Aber auch Kreditkartengesellschaften, Autofinanzierer und Mobilfunkgesellschaften zählen zu den typischen und regelmäßigen Verkäufern.

Der Begriff Non Performing Loans (NPL’s) ist rechtlich nicht eindeutig bestimmt. Er beschreibt üblicherweise eine Situation, in der der Schuldner mit einer Teilleistung oder mit seinen gesamten Verpflichtungen in Verzug ist. Handelt es sich um Bankkredite, liegt entweder ein Kündigungsgrund vor oder es handelt sich um Kredite, die bereits gekündigt wurden. Auch stark ausfallgefährdete, vorläufig aber noch bediente Engagements und notleidende Kredite, die bereits in der Verwertungsphase sind, fallen unter die Kategorie der Non Performing Loans.

Die Struktur der verkauften Forderungen ist uneinheitlich: Die Spanne reicht von unbesicherten Konsumentenforderungen über Immobilienkredite bis hin zu gewerblichen Finanzierungen. Auch in puncto Forderungshöhe und Forderungsalter findet jedes denkbare Angebot Interessenten.

Käufer von Non Performing Loans sind insbesondere US-amerikanische Opportunity Fonds sowie Investmentbanken, namentlich die Citigroup, Goldman Sachs, Lehman Brothers, Merrill Lynch und Morgan Stanley. In der Käufergruppe der Opportunity Fonds – sie spezialisieren sich auf den Ankauf wenig liquider, schwer verwertbarer und daher tendenziell unterbewerteter Wirtschaftsgüter – ist der bereits erwähnte Investor Lone Star als der bisher erfolgsreichste besonders hervorzuheben.

Nur ausnahmsweise verfügen Investoren über eigene Abwicklungsplattformen. In der Regel bauen sie keine eigenen Inkassokapazitäten auf und beauftragen stattdessen externe Dienstleister mit dem Forderungseinzug („workout“). Bei diesen externen Dienstleistern handelt es sich einerseits um

  • Neugründungen, die aus Abwicklungsabteilungen von Banken (DG Hyp, Aareal, Commerzbank), Bausparkassen (BHW) oder Leasinggesellschaften hervorgegangen sind; besondere Beachtung verdient die jüngst bekannt gegebene Gründung einer gemeinsamen Workout-Gesellschaft von WestLB und NordLB, die zunächst Problemkredite ihrer Gründer bearbeitet, dann aber in einem zweiten Schritt auch den Drittmarkt adressieren soll; andererseits um

  • klassische, in Deutschland etablierte Inkassodienstleister wie Creditreform (Creditreform ist der präferierte Workout-Partner des Investors Lehman Brothers); und schließlich um

  • mausländische NPL-Servicer, die mit einzelnen Investoren eng verbunden sind und diesen rund um den Globus in jedes Land folgen, in dem der Investor Portfolios erwirbt. Ein solcher Servicer ist beispielsweise die Firma Hudson Advisors, die für Lone Star arbeitet und seit gut einem Jahr auch in Deutschland mit einer (schnell wachsenden) Tochtergesellschaft präsent ist.

Käufer sehen in den zu erwerbenden Problemkrediten eine im Vergleich zur Verkäufererwartung höhere Realisierungsquote und haben entsprechende Gewinnerwartungen. Dies gründet sich vor allem auf eine potenziell effizientere Vorgehensweise beim Einzug von Forderungen. Banken müssen berücksichtigen, dass sie es in der Mehrzahl mit vertragstreuen Schuldnern zu tun haben und können demzufolge keine allzu augenfälligen Konzessionen machen. Ein Dritter kann hier freier handeln. Das bedeutet übrigens auch für den Schuldner eine neue Chance, mit dem Gläubiger wieder ins Gespräch zu kommen. Generell ist die Workout-Strategie der NPL-Käufer auf schnelle Erfolge dank besonderen Entgegenkommens ausgerichtet. Aus Schuldnersicht also ein durchaus begrüßenswerter Vorgang.

Warum verkaufen?

Die Gründe, die vornehmlich Kreditinstitute wie Privat- oder Geschäftsbanken, Landesbanken, Sparkassen und Autobanken, zunehmend aber auch Versicherungen, Versorger und Mobilfunk-Unternehmen zu einem Verkauf ihrer notleidenden Forderungen bewegen, sind vielschichtig: Hauptmotiv sind sicherlich die eintretenden  Bilanzeffekte. Bei einem Portfolioverkauf erzielt der Veräußerer in der Regel eine Verbesserung seiner Bilanzstruktur, eventuell auch eine regulatorische Eigenkapitalentlastung. Die Bilanzbereinigung erfolgt auch unter Vorgriff auf die neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken, die unter dem Kürzel Basel II bekannt wurden. Danach gilt: Je höher das Ausfallrisiko eines Kredites ist, desto mehr Eigenkapital muss die Bank aufbringen. Trennen sich Kreditinstitute nun von risikoträchtigen Engagements, können sie bei gleichem Eigenkapital mehr Kreditgeschäfte machen. Dies honorieren im Übrigen auch die Rating-Agenturen, was ein Grund mehr für den Forderungsverkauf ist.

Ferner erzielt der Verkäufer einen unmittelbaren Liquiditätszufluss und verlagert das Risiko des kompletten Forderungsausfalls auf den Erwerber. Entsprechendes gilt hinsichtlich eines drohenden Werteverfalls von Kreditsicherheiten. Auch allgemeine geschäftspolitische und strategische Erwägungen, wie etwa bei der Sparkasse in Görlitz, können Auslöser für den Verkauf notleidender Forderungen sein: „Aufgrund des stark steigenden Volumens an Abwicklungskrediten mussten wir auf Dauer mehr Personal im Abwicklungsbereich beschäftigen als im Bereich Firmenkunden. Wir sind aber primär eine Sparkasse, die ihre Kunden bedienen und sich nicht schwerpunktmäßig mit der Abwicklung notleidender Kredite beschäftigen will“ erläutert Rolf Schlagloth, Vorstandsmitglied der Niederschlesischen Sparkasse in Görlitz seine Motivation für den Verkauf der Problemkredite seines Instituts.

Eine Veräußerung von Krediten kann auch Teil einer Restrukturierung des gesamten Unternehmens des Verkäufers sein. Vor allem dort, wo aufgrund von Ertragsschwäche, nicht verkrafteten Fusionen oder starkem Personalabbau ein hoher Konsolidierungsbedarf besteht, ist die Bereitschaft zum Verkauf von Portfolios hoch.

Nicht zuletzt werden bei einem Verkauf notleidender Forderungen im Paket die Compliance-Lasten verringert, insbesondere die Vorgaben für das Problemkreditgeschäft aus den von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aufgestellten „Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute (MaK)“. Sie sehen komplexe Verfahren für den Umgang mit Problemkrediten vor, die speziell für kleine Banken einen hohen Aufwand bedeuten können.

Wie werden notleidende Kredite verkauft?

In dem zwischen Veräußerer und Käufer abzuschließenden Kauf- und Abtretungsvertrag haftet der Veräußerer in der Regel für den Bestand der Forderungen, während der Käufer das volle Kreditrisiko übernimmt. Dem Kauf vorgelagert ist eine umfassende Prüfung der Werthaltigkeit der Forderungen (Due Diligence), die der Ermittlung des Kaufpreises dient.

Der Kaufpreis hängt von zahlreichen Faktoren ab, unter anderem von der Besicherung und dem Alter der Forderungen. Bei ungesicherten Konsumentenforderungen betragen die Abschläge vom Nominalwert im günstigsten Fall mindestens 60 Prozent, bei Altforderungen dagegen deutlich mehr als 90 Prozent. In Anbetracht der Vielzahl der möglichen Konstellationen verbietet sich jede Verallgemeinerung; es kommt stets auf die (sehr sorgfältig zu ermittelnden) Umstände des Einzelfalls an.

Risiken beim NPL-Verkauf

Der Verkauf notleidender Kredite ist ein komplexer Vorgang, der spezifisches Know-how auf beiden Vertragsseiten erfordert. Geregelt werden müssen beispielsweise der Übergang nichtakzessorischer Sicherungsrechte, mögliche Kaufpreisanpassungen sowie die Fortführung von Rechtsstreitigkeiten und Vollstreckungsverfahren, ferner Gewährleistungen und Garantien des Verkäufers.

Ferner gilt es, Erlaubnispflichten, die beispielsweise nach dem Kreditwesengesetz oder dem Rechtsberatungsgesetz bestehen können, zu beachten.

Dagegen werfen Datenschutz und Bankgeheimnis nach einer richtunggebenden Entscheidung des OLG Celle (Urteil vom 10.09.2003, AZ: - 3 U 137/03 -) kaum noch Probleme auf. Das OLG urteilte, dass sich ein in Verzug geratener Kreditnehmer gegenüber der um Verwertung bemühten Bank infolge seines Vertragsbruches nicht länger auf das Bankgeheimnis berufen könne und es auch datenschutzrechtlich gerechtfertigt sei, wenn die Bank im Zuge des Kreditverkaufes personenbezogene Daten des Kreditnehmers an den Käufer übermittelt.

Schließlich müssen das veräußernde Kreditinstitut und der Erwerber Klarheit über die bilanziellen Auswirkungen eines Portfolioverkaufs erlangen. Liegt der Kaufpreis unter dem Buchwert der Forderungen, muss das veräußernde Kreditinstitut in dem Jahr, in dem der Verkauf wirksam wird, einen außerordentlichen Verlust hinnehmen. Auf der anderen Seite haben Verkäufer bei einem bereits weitgehend abgeschriebenen Kreditportfolio durchaus die Möglichkeit, außerordentliche Erträge zu erzielen. Der Portfolioverkauf ist damit ein Praxistest dafür, wie realitätsnah die Einzelwertberichtigungen (EWB) des Veräußerers sind. Gläubiger, die mit ihrer Wertberichtigungspolitik der tatsächlichen Wertentwicklung hinterherhinken, werden sich Portfolioverkäufe möglicherweise schlicht nicht leisten können.

Die Rolle von Creditreform im NPL-Markt

Creditreform hat schon vor Jahrzehnten, als niemand den Begriff „NPL“ kannte, zahlungsgestörte Forderungen namentlich von Banken und Versicherungen erworben. Insofern sind uns der Markt und seine Gesetzmäßigkeiten durchaus geläufig. Dennoch ist festzuhalten, dass die jüngste Entwicklung insofern eine neue Situation bedeutet, als sich nunmehr zwei strategisch wichtige Markttrends als manifest erwiesen haben:

  • Auch in Deutschland werden zahlungsgestörte Forderungen mehr und mehr zu einer gewöhnlichen Asset-Klasse, das heißt zu einem fungiblen Wirtschaftsgut, das den Charakter eines Investitionsobjektes erlangt. Damit entsteht ein Sekundärmarkt, dessen Marktteilnehmer von Creditreform ebenso adressiert werden müssen wie die Primärgläubiger, auf die sich bisher unsere vertrieblichen Anstrengungen beschränkt haben. Anders formuliert: Wenn Forderungen vom Ursprungsgläubiger zu einem Käufer übertragen werden, muss sich unser akquisitorischer Fokus auf den Käufer richten. In diesem Sinne positioniert sich Creditreform als Servicer für NPL-Investoren. Dabei geht es nicht nur um Inkasso-Dienstleistungen, sondern auch um unser Bewertungs-Know-how, das wir dank unserer umfassenden Inkassoexpertise und des unvergleichlichen Datenschatzes besitzen, den wir im Rahmen unserer Auskunftstätigkeit tagtäglich pflegen und ausbauen.

  • Creditreform als marktstarker Inkassodienstleister ist aber nicht nur als Servicer für Investoren gefragt, sondern will und muss auch in der Lage sein, den Verkaufswunsch eines Kunden selbst zu erfüllen. Diesem Zweck dient die Creditreform Portfolio Management GmbH (CPM). Diese Gesellschaft verwaltet einen mit erheblichen Investitionsmitteln ausgestatteten Opportunity Fonds. Wird ein Verein Creditreform auf ein zum Verkauf stehendes Portfolio aufmerksam, so ergibt sich folgender weiterer Ablauf:

 

o Der Verein Creditreform führt die CPM bei dem verkaufsinteressierten Unternehmen ein und die CPM übernimmt die Bewertung des zum Verkauf angebotenen Portfolios.

o Die CPM entwickelt einen Preisvorschlag und führt für den von ihr verwalteten Fonds die Kaufverhandlungen mit dem Verkäufer.

o Nach erfolgreichem Vertragsabschluss vergibt die CPM den Abwicklungsauftrag an den örtlich zuständigen Verein Creditreform.

o Die CPM vergütet die Akquisitionsleistung des Verein Creditreform mit einer attraktiven Finder’s Fee und zahlt für die Inkasso-Dienstleistungen neben einer marktüblichen Erfolgsprovision bei Erreichen eines bestimmten Zielerfolges zusätzlich eine sehr ansprechende Superprovision.

Mit diesen beiden Maßnahmen – Vernetzung mit ausgewählten Investoren und Aufbau einer integrierten Prozesskette von der Akquisition über die Bewertung und die Investition bis hin zur Abwicklung – hat sich Creditreform auf die gewandelten Marktbedingungen optimal eingestellt. Ohne unser Selbstverständnis als Dienstleister aufzugeben und ohne unsere Risikopolitik zu verändern, tragen wir heute der an der Schnittstelle zwischen Inkasso und Portfoliokauf zunehmend offenkundig werdenden Verzahnung von Dienstleistung und Kapital Rechnung. Mit den von der Creditreform Portfolio Management GmbH verwalteten Investitionsmitteln verfügen wir überdies über eine für einen Dienstleister ganz ungewöhnliche Kapitalkraft, die dazu beitragen wird, unsere ohnehin starke Marktposition weiter auszubauen.

Zum Autor

Volker Ulbricht ist Wirtschaftsjurist und Geschäftsführer des Verbandes der Vereine Creditreform e.V. Er verantwortet dort unter anderem das Geschäftsfeld Inkasso.



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CPM Creditreform Portfolio Management: BROSCHÜRE
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CPM Creditreform Portfolio Management: FACT-SHEET
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