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Startseite News & Termine Creditreform News Online-Archiv Archiv 2009 Aktuelle Analyse zur Wirtschaftslage im österreichischen Mittelstand

Wirtschaftslage Mittelstand in Österreich, Frühjahr 2009

Konjunkturlage bricht ein - verhaltene Erwartungen

Wien, 11.05.2009

Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist im österreichischen Mittelstand angekommen: Die Einschätzung zur Geschäftslage ist dramatisch eingebrochen: Sprachen im vergangenen Jahr noch fast zwei Drittel der Befragten von einer sehr guten bis guten Geschäftslage (60,4 Prozent), ist es im Frühjahr 2009 nur noch jeder Dritte (31,5 Prozent). Im Gegenzug vergeben deutlich mehr Mittelständler als im Vorjahr die Noten mangelhaft bis ungenügend. Jeder Fünfte (22,7 Prozent) ist mit seiner Geschäftslage unzufrieden. Im vergangenen Frühjahr waren es 4,0 Prozent. Obwohl sich der Saldo zur Einschätzung der Geschäftslage mit 8,8 Prozentpunkten noch im schwarzen Bereich befindet, zeigt der mehrjährige Vergleich einen starken Einbruch.

Dramatischer Umsatzrückgang

Bei über der Hälfte (56,4 Prozent) der Befragten ist der Umsatz im vergangenen halben Jahr gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr (21 Prozent) entspricht das einer Verschlechterung um 35,4 Prozentpunkte. Nur noch jeder Neunte (11,5 Prozent) berichtet von gestiegenen Umsätzen – 2008 war es noch jeder Dritte (35,4 Prozent).

Mehr Personalabbau

Der Arbeitsplatzabbau im Mittelstand ist massiv: 40,3 Prozent der Befragten haben ihren Personalbestand im vergangenen halben Jahr verkleinert – das sind 23,2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr (17,1 Prozent). Lediglich 10,7 Prozent der Befragten haben neue Mitarbeiter eingestellt – 12,4 Prozentpunkte weniger als im Frühjahr 2008 (23,1 Prozent). Immerhin knapp jeder zweite Mittelständler (48,9 Prozent) lässt seinen Personalbestand unverändert.

Deutlicher Rückgang bei den Erwartungen

Die schlechten Konjunkturprognosen spiegeln sich in den Umsatzerwartungen des Mittelstands wider. Sinkende Einnahmen erwarten 46,6 Prozent – eine Verschlechterung um 37,5 Prozentpunkte binnen Jahresfrist (Vorjahr 9,1 Prozent). Von steigenden Umsätzen gehen 12,6 Prozent der Befragten aus. Im Frühjahr 2008 sprach davon noch jeder Dritte (36,2 Prozent). Somit erreicht der erwartete Umsatzsaldo mit minus 34 Prozentpunkten den schlechtesten Wert seit 1996. In den krisengebeutelten Branchen Bau und Verarbeitendes Gewerbe beträgt der Saldo aus erwarteten zunehmenden und abnehmenden Umsätzen minus 37,3 bzw. minus 36,1 Prozentpunkte. Im Handel und im Dienstleistungssektor fallen die prognostizierten Umsatzsalden mit minus 33,4 bzw. minus 27,4 Prozentpunkte dagegen besser aus.

Immerhin plant – trotz Krise – jeder zweite befragte Unternehmer (55,9 Prozent), die Mitarbeiterzahl in den kommenden sechs Monaten unverändert zu belassen. Dafür sind von jedem Dritten (35,3 Prozent) konkrete Entlassungen geplant. Neue Arbeitskräfte einstellen wollen lediglich 8,0 Prozent der Unternehmen – im Vorjahr war es mit 25,9 Prozent noch jeder Vierte. Im Frühjahr 2009 wird mit minus 27,3 Prozentpunkten wieder ein negativer zukünftiger Beschäftigungssaldo erreicht. Zuletzt war dies im Jahr 2005 der Fall – und da lediglich mit minus 3,1 Prozentpunkten./p>

Auch die Ertragsaussichten für die kommenden Monate fallen trübe aus. Mehr als die Hälfte der Betriebe (61,1 Prozent) rechnet in den kommenden Monaten mit einem Ertragsrückgang. Im Jahr zuvor lag der Anteil der pessimistischen Erwartungen noch bei nur 17,6 Prozent. An einen Gewinnanstieg glaubt nur jeder Zehnte (9,3 Prozent), nachdem dies im Frühjahr 2008 noch jeder Dritte tat (29,8 Prozent). Per Saldo sinken die Gewinnerwartungen auf minus 51,8 Prozentpunkte. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert mit 12,2 Prozentpunkten noch im positiven Bereich.

Mittelständler investieren weiter

Auch wenn die Konjunkturindikatoren desaströs ausfallen, bleiben die Angaben zur Investitionstätigkeit stabil: Immer noch jeder zweite befragte Unternehmer (53,2 Prozent) ist bereit, bis Herbst 2009 Investitionen durchzuführen – binnen Jahresfrist ein Rückgang um 3,5 Prozentpunkte.

Forderungsverluste nehmen zu

Fast jeder zehnte Unternehmer (9,7 Prozent) muss Forderungsverluste von über einem Prozent im Verhältnis zum Umsatz hinnehmen. Im Vorjahr waren es noch 6,1 Prozent. Und auch der Anteil der Unternehmen, die Forderungsverluste von bis zu einem Prozent erleiden, ist von 34,4 Prozent im Vorjahr auf aktuell 36 Prozent gestiegen. Ein vernachlässigbarer Forderungsverlust von weniger als 0,1 Prozent im Verhältnis zum Umsatz ist bei 35,5 Prozent der Befragten zu verzeichnen.

Kreditkrise und ihre Auswirkungen

Gut jeder vierte (26,1 Prozent) Mittelständler musste aufgrund der Finanzkrise Personal entlassen. 30 Prozent gaben an, bislang zwar noch keine Mitarbeiter entlassen zu haben, befürchten dies aber in den nächsten Monaten tun zu müssen. Ermutigend: Ein relativ stabiler Anteil von 43 Prozent musste bislang keine Arbeiter entlassen und rechnet auch in Zukunft nicht damit.

Um die Krisenfolgen für den Personalbestand abzufedern, nehmen 58,6 Prozent der befragten Unternehmen den Abbau von Arbeitszeit- bzw. Überstundenkonten in Anspruch. Jeder Zweite (53,7 Prozent) muss Entlassungen bei der Stammbelegschaft vornehmen. Einen Einstellungsstopp verhängen 44,9 Prozent der Mittelständler. Jeder Dritte (32,6 Prozent) gibt an, vor allem Zeit- und Leiharbeitskräfte freistellen zu müssen. Auf Kurzarbeit greifen zehn Prozent der Befragten zurück.

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